IHK-Rückblick auf das Jahr 2025: Umzug und Campus-Start
Jérôme Müggler

Im vergangenen Jahr ging ein grosses Kapitel unserer Kammer zu Ende – nämlich jenes der Büroräumlichkeiten im Weinfelder Postgebäude. Die IHK Thurgau war über mehrere Jahrzehnte dort zuhause. Zeitweise zusammen mit den Büros der verbandseigenen Ostschweizer Ausgleichskasse für Handel und Industrie, deren Sitz heute zentral in St.Gallen ist. Im Rahmen des Umzugs im April 2025 kamen im Archiv verschiedene Trouvaillen und auch Büroarbeitsgeräte aus einer anderen Zeit zum Vorschein. Als moderner Verband brauchen wir Räumlichkeiten, die unserer Aussenwirkung dienen und die Möglichkeit zum Austausch mit verschiedenen Akteuren bieten. Das haben wir an der Thomas-Bornhauser-Strasse 14 gefunden. Zudem gehören attraktive Arbeitsplätze heute zum Muss, um passende Mitarbeitende anziehen zu können. Die IHK ist nun im gleichen Gebäude wie der Thurgauer Gewerbeverband zuhause. Damit konnte auch die Vision eines «Haus’ der Wirtschaft» umgesetzt werden, wo die Thurgauer Wirtschaftswelt und der Austausch mit der Politik sowie der Bevölkerung geprägt wird.
Innovationscampus ist in Kreuzlingen gestartet
Nach einer fast 5-jährigen Projektphase hat der «I+D Campus» (vormals Digital & Innovation Campus Thurgau) im Juli 2025 seinen Betrieb in Kreuzlingen aufgenommen. Die IHK hat den Campus angestossen und massgeblich entwickelt. Unser Verband hat das Potenzial eines starken Orts für angewandte Forschung und Innovation früh erkannt und die Initiative ergriffen, um Wirtschaft und Wissenschaft näher zusammenzubringen. Der Campus wird von der IHK eingesetzten «Stiftung I+D Campus» getragen, wo die Kammer mit dem IHK-Direktor sowie dem Vize-Präsidenten der IHK, Andrea Roth, im Stiftungsrat vertreten ist. Mit der Einstellung des Campus-Geschäftsführers Meinrad Koch gingen die Aufbauthemen und operative Fragen von der IHK in die eigenständige Betriebsorganisation über. Unsere Kammer hat damit demonstriert, wie sie den Thurgau als guten Ort zum Wohnen und Arbeiten mitgestaltet sowie einem Leuchtturm für den Kanton Leben eingehaucht hat.
Handelskammern unter sich
Nochmals «ein Scheit drauflegen» konnte die IHK im vergangenen Jahr bei der Zusammenarbeit mit Dritten. Im Rahmen des Europa-Dossiers, das wir schon länger mit der IHK St.Gallen-Appenzell bearbeiten, ist vergangenes Jahr noch die Zürcher Handelskammer dazugekommen. Die Vorstände der drei Kammern haben sich 2025 zwei Mal am Flughafen Zürich getroffen, um sich mit den Bilateralen III auseinanderzusetzen. Diese Austauschformate wurden von den Unternehmerinnen und Unternehmen sehr geschätzt und helfen bei wichtigen Themen Allianzen zu schmieden. Weiter hatte unsere Kammer im vergangenen Jahr bereits zum dritten Mal «BOOM! der Thurgauer Wirtschaftstag» durchgeführt – zusammen mit dem Gewerbeverband sowie dem Landwirtschaftsverband VTL. Das Anlassformat hat sich mittlerweile etabliert und konnte gut 300 Gäste mit einem spannenden Programm begeistern.

Die Vorstände der Handelskammern aus dem Thurgau, St.Gallen-Appenzell und Zürich am gemeinsamen Workshop zu den Bilateralen III.
US-Zölle standen im Fokus
Das Jahr 2025 hat eindrücklich gezeigt, wie stark exportorientierte Unternehmen – auch im Kanton Thurgau – von der internationalen Handelspolitik abhängig sind. Während geopolitische Spannungen neue Risiken mit sich brachten, eröffneten gleichzeitig wichtige Freihandelsabkommen neue Wachstumsperspektiven. Besonders deutlich wurde die Verwundbarkeit offener Volkswirtschaften im Sommer 2025. Die USA führten zusätzliche Zölle von bis zu 39% auf zahlreiche Schweizer Exportprodukte ein – deutlich mehr als gegenüber anderen Handelspartnern. Für exportorientierte Branchen wie Maschinenbau, Präzisionstechnik oder Uhren bedeutete dies kurzfristig einen erheblichen Wettbewerbsnachteil. Zwar konnte im Herbst eine Einigung erzielt werden. Die Zölle wurden rückwirkend auf maximal 15% begrenzt, was die Situation deutlich entschärfte. Dennoch zeigte der Konflikt, wie wichtig stabile Handelsbeziehungen für eine exportorientierte Volkswirtschaft sind. Die Bedeutung des US-Marktes bleibt wichtig: 2025 exportierte die Schweiz Güter im Wert von 54,7 Milliarden Franken in die Vereinigten Staaten.
Neue Freihandelsabkommen mit Indien und den Mercosur-Staaten
Parallel dazu brachte 2025 auch positive handelspolitische Fortschritte. Besonders bedeutend ist das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Indien, das am 1. Oktober 2025 in Kraft trat. Indien gewährt der Schweiz künftig verbesserten Marktzugang für 94,7% der bisherigen Exporte. Für die Industrie ist dies ein wichtiger Schritt, denn indische Importzölle lagen bislang teilweise bei bis zu 22%. Mit dem Abkommen werden Zölle für einen grossen Teil der Industrieprodukte schrittweise abgebaut – bei über 84% der Schweizer Exporte sogar vollständig innerhalb von zehn Jahren. Gerade für technologie- und exportstarke Unternehmen aus Regionen wie dem Thurgau eröffnet dies neue Chancen in einem der dynamischsten Wachstumsmärkte der Welt. Auch mit den Mercosur-Staaten (Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay) wurde 2025 ein wichtiges Freihandelsabkommen unterzeichnet. Die Vereinbarung soll langfristig Zölle auf zahlreiche Industrieprodukte abbauen und damit den Zugang zu einem Markt von über 260 Millionen Menschen erleichtern. Für Schweizer Unternehmen – etwa aus Maschinenbau, Medtech oder Präzisionsindustrie – entstehen damit zusätzliche Exportmöglichkeiten in einer wirtschaftlich aufstrebenden Region.
Offene Märkte für eine erfolgreiche Wirtschaft
Für die Thurgauer Wirtschaft ergibt sich daraus eine klare Erkenntnis: Offene Märkte bleiben die Grundlage für Wachstum und Innovation. Gleichzeitig zeigen die Ereignisse des Jahres 2025, dass internationale Handelsbeziehungen zunehmend politisch geprägt sind – und dass wirtschaftlicher Erfolg immer stärker von stabilen und verlässlichen Handelsregeln abhängt.