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Trotz Konjunkturschwäche: Ostschweizer Löhne steigen

Die Ostschweizer Unternehmen planen für 2026 im Durchschnitt Lohnerhöhungen von 0,9 Prozent. Das Lohnwachstum übertrifft die erwartete Teuerung branchenübergreifend – trotz Konjunkturschwäche und eines sich leicht abkühlenden Arbeitsmarkts. Für 2026 dominieren speziell in der Industrie die Unsicherheiten im Auslandgeschäft. Das zeigt die aktuelle Lohnumfrage der IHK St.Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau.
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Für das kommende Jahr rechnen Ostschweizer Unternehmen im Schnitt mit Lohnerhöhungen von 0,9 Prozent. Das Ausmass der geplanten Lohnanpassungen variiert leicht nach Branche. So dürften die Löhne bei den Dienstleistern und im Baugewerbe mit 1,1 Prozent etwas stärker steigen als in der Industrie (0,8%). Überdurchschnittliche Zuwächse sind bei den ICT-Dienstleistern (1,4%), im Baunebengewerbe (1,3%) sowie in der Gastronomie und Hotellerie (1,5%) vorgesehen. Es sind dies allesamt Branchen, in denen der Fachkräftemangel ausgeprägt ist. Zurückhaltender zeigt sich der Grosshandel (0,4%). Auch nach Unternehmensgrössen zeigen sich Unterschiede: Mittelgrosse Unternehmen mit 50 bis 250 Mitarbeitenden planen mit 1,6 Prozent die höchsten Lohnerhöhungen. Bei Klein- und Grossbetrieben liegt der vorgesehene Anstieg zwischen 0,9 und 1,1 Prozent. Angesichts einer erwarteten Inflation von 0,2 bis 0,5 Prozent fürs laufende sowie 0,5 bis 0,7 Prozent fürs kommende Jahr bedeutet dies für nahezu alle Branchen und Unternehmensgrössen reale Lohnzuwächse.

Individuelle Lohnanpassungen überwiegen, «Fringe Benefits» bleiben wichtig

Zwei Drittel der befragten Unternehmen setzen auf individuelle Lohnanpassungen – ein im Vergleich zum Vorjahr stabiler Wert. Rund jedes vierte Unternehmen achtet zudem auf einen allgemeinen Teuerungsausgleich. Rund jedes siebte Unternehmen plant für das kommende Jahr eine Ausweitung der Lohnnebenleistungen. Wie in den Vorjahren setzen die Unternehmen vor allem auf flexiblere Arbeitszeitmodelle. Zusätzliche Ferientage haben den Ausbau von Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten derweil von Platz zwei abgelöst. Viele Unternehmen haben ihre «Fringe Benefits» in den vergangenen Jahren bereits deutlich ausgebaut und halten diese nun auf hohem Niveau. Ein Abbau der Zusatzleistungen ist kaum vorgesehen.

Unveränderter Geschäftsgang erwartet

Die Lohnentwicklung hängt unter anderem eng mit dem Geschäftsgang der Unternehmen zusammen. Gut die Hälfte der Unternehmen berichtet derzeit von einer guten bis sehr guten Geschäftslage. Mit Blick auf das kommende Jahr überwiegen die positiven gegenüber den negativen Rückmeldungen bei allen abgefragten Indikatoren. Besonders für Auftragslage und Umsatz sind die Unternehmen verhalten optimistisch. Es zeigen sich jedoch klare Branchenunterschiede: Dienstleistungsbetriebe blicken mehrheitlich zuversichtlich in die Zukunft, und auch das Baugewerbe erwartet tendenziell mehr Aufträge – wenngleich sich diese nur begrenzt in höheren Gewinnen niederschlagen dürften. In der Industrie zeigt sich ein ambivalenteres Bild: Rund ein Drittel der Betriebe geht von einer Verbesserung der Geschäftslage, des Umsatzes, der Gewinne und der Auftragslage aus – allerdings ausgehend von einem tiefen Niveau. Angesichts der verhaltenen Konjunktur und der anhaltenden handelspolitischen Unsicherheiten ist dies ein positives Signal. Gleichzeitig ist der Anteil der Industrieunternehmen, die eine Verschlechterung erwarten, höher als bei Dienstleistern oder Bauunternehmen.

Personalsuche etwas entschärft

Auch die Lage am Arbeitsmarkt beeinflusst die Lohnentwicklung. Die Umfrage zeigt: Die Personalsuche gestaltet sich für rund die Hälfte der Unternehmen schwierig bis sehr schwierig. 30 Prozent der Betriebe sehen den Fachund Arbeitskräftemangel als eine der drei grössten Herausforderungen für das kommende Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Situation damit leicht entspannt. Allerdings zeigen sich deutliche Branchenunterschiede: Im Baugewerbe meldet fast jedes zweite Unternehmen einen ausgeprägten Mangel, bei den Dienstleistungen rund jedes dritte. Entsprechend bleibt die Rekrutierung anspruchsvoll: 57 Prozent der Dienstleistungs- und Bauunternehmen stufen die Personalsuche als schwierig bis sehr schwierig ein. Viele bewerten ihren Personalbestand als zu klein und planen einen moderaten Personalaufbau.

 

Auslandgeschäft unter Druck

In der Industrie halten demgegenüber drei von zehn Betrieben den aktuellen Personalbestand für zu gross und erwarten im kommenden Jahr eine Reduktion. Allgemein steht die exportorientierte Ostschweizer Industrie im Gegenwind: Die schwache Konjunktur in Deutschland und die US-Zölle belasten das Auslandsgeschäft: Rund vier von zehn Industriebetrieben beurteilen den starken Franken als eine der drei grössten Herausforderungen; je rund ein Drittel nennt Zölle beziehungsweise eine ungenügende Nachfrage.

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Bürokratie belastet, technologischer Fortschritt bleibt grösste Chance

Die regulatorischen Anforderungen haben den Fachkräftemangel im Vergleich zum Vorjahr als grösste Herausforderung abgelöst. Besonders betroffen sind Dienstleistungsund Bauunternehmen: Rund ein Drittel von ihnen nennt die Bürokratie unter den drei wichtigsten Hürden. Die grössten Chancen sehen die Unternehmen – wie bereits im Vorjahr – im technologischen Fortschritt. Dabei gewinnt die künstliche Intelligenz weiter an Bedeutung, insbesondere im Dienstleistungssektor. Im Bauwesen bleibt die Nachhaltigkeit die am häufigsten genannte Chance, wenn auch in etwas geringerem Ausmass als im Vorjahr.