Stahlprofile aus Romanshorn: hochwertig und global gefragt
Luca Kaufmann

Dienstagnachmittag, Mitte Mai. Im Romanshorner Industriegebiet herrscht reges Treiben. Auch in den Hallen der Forster Profilsysteme AG ist die Produktion in vollem Gange, als CEO Willi Lüchinger zum Gespräch empfängt. Auf 14’000 m2 entstehen auf dem neu erbauten Campus jährlich rund 3000 km Stahlprofile. Diese kommen weltweit zum Einsatz – etwa am Muscat International Airport, an der Technischen Universität Wien oder im Belgischen Konsulat in Athen.
Sicherheit aus Stahl
Doch was genau sind Profilsysteme? Forster produziert modulare Konstruktionselemente aus Stahl und Edelstahl für Türen, Fenster und Fassaden. Diese lassen sich nach den Wünschen der Kundschaft individuell verarbeiten. Je nach Anwendungsbereich verfügen die Profile über unterschiedliche Eigenschaften – von Brand- und Rauchschutz über Wärmedämmung bis hin zu Durchschuss- und Explosionshemmung. «Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten steigt das Sicherheitsbewusstsein unserer Kunden merklich», erklärt CEO Willi Lüchinger. «Mit unseren Systemen sind wir gut positioniert, um auf diese veränderte Nachfrage zu reagieren.» Bevor die Stahlfabrikate die entsprechenden Zertifikate erhalten, durchlaufen sie strenge Prüfverfahren: Externe Zertifizierungsstellen unterziehen sie etwa Brand-, Einbruch- oder Beschussprüfungen.

Willi Lüchinger, CEO der Forster Profilsysteme AG. Bild: Thomas Hary, metrocomm ag
Von Zürich bis Shanghai
Ein Projekt, an dem Forster mitgewirkt hat, stand in den letzten Wochen im Rahmen der Eishockey-WM besonders im Fokus: die Swiss Life Arena in Zürich. Gemeinsam mit Partnern steuerte Forster 140 Elemente zu Türen und Festverglasungen der Spielstätte der ZSC Lions bei. Im Vordergrund standen dabei die Brandschutz- und Wärmeeigenschaften der Profile. Letztere trugen massgeblich zur Minergie-Zertifizierung des Gebäudes bei. Ein weiteres Beispiel findet sich in China. In Shanghai realisierte Forster für den Neubau eines Medizintechnikunternehmens Profilsysteme für eine Fassadenfläche von rund 35’000 m2. «Das Projekt war faszinierend und hochkomplex», erklärt der CEO. «Nur für rund 20 Prozent der Fläche konnten wir auf unsere Standardmodelle zurückgreifen. Die restlichen 80 Prozent haben wir eigens für die anspruchsvolle Gebäudehülle entwickelt.» Die schiere Grösse und Komplexität des Projekts machten den Aufbau einer Produktion vor Ort erforderlich. «Distanz, Sprache und Qualitätssicherung waren heraus fordernd. Aber das Projekt hat eindrücklich gezeigt, wozu wir als Team fähig sind.»
Nachhaltig und wiederverwertbar
Doch gehört Stahl in einer Zeit, in der Klima- und Nachhaltigkeitsthemen dominieren, zur Zukunft? «Ganz gewiss», ist Geschäftsführer Lüchinger überzeugt. «Stahl bietet im Baubereich wesentliche Vorteile. Durch seine hohe Langlebigkeit und vollständige Rezyklierbarkeit unterstützt er eine ressourcenschonende und zirkuläre Bauweise.» Kreislauffähigkeit ist Forster ein grosses Anliegen. Als weltweit einziger Anbieter stellt das Thurgauer Unternehmen seine Stahlprofile ohne Kunststoffisolatoren her. Stattdessen finden sich im Inneren der Elemente Isolatoren aus Stahl. «So können wir sicherstellen, dass die Profile vollständig wiederverwertet werden können.» Alle Profilsysteme sind sowohl aus herkömmlichem Stahl als auch aus Low Carbon Emission Steel (LCES) erhältlich. «LCES-Profile verfügen über exakt die gleichen Eigenschaften wie konventionelle Lösungen», betont Lüchinger, «verursachen in der Produktion aber rund 60 Prozent weniger CO2-Emissionen. » Aktuell sei der LCES-Anteil überschaubar – mittel- bis langfristig rechne man jedoch aufgrund steigender ESG-Anforderungen mit einer deutlichen Zunahme. Auch intern bildet Nachhaltigkeit ein zentrales Anliegen. Der 2024 fertiggestellte Forster Campus wurde mit den LEED-Zertifikaten Gold und Platin ausgezeichnet. Das Gütesiegel zeichnet nachhaltige Bauten aus und umfasst diverse Aspekte wie den Standort, die Wasser- und Energieeffizienz sowie die verwendeten Materialien.

Das automatisierte Hochregallager bildet das Herzstück der Produktion. Bild: Thomas Hary, metrocomm ag
Kulturelles Know-how als Erfolgsfaktor
Der neue Campus ist ein klares Bekenntnis zum Thurgau. «Ich bin ein grosser Verfechter des Industriestandorts Schweiz», sagt der CEO. «Gut ausgebildete Arbeitnehmende und die Zusammenarbeit mit lokalen Hochschulen sind zentral, um international zu bestehen.» Der Geschäftsführer sieht es daher als Pflicht, sich für die Bildung von jungen Menschen zu engagieren – sei es durch Lehrstellen oder die Unterstützung von Wirtschaftswochen der Kantonsschulen. Die Rahmenbedingungen in der Schweiz bewertet Lüchinger positiv. «Es ist wichtig, dass wir diesen Sorge tragen und sie nicht leicht sinnig aufs Spiel setzen.» Dies insbesondere angesichts der steigenden globalen Unsicherheit, etwa durch die Stahlzölle seitens der EU oder die geopolitischen Spannungen. Eine zentrale Strategie, um mit diesen Herausforderungen umzugehen, bilden für Forster die lokalen Mitarbeitenden. «Fast in jedem Land, in dem wir tätig sind, setzen wir auf Lokalangestellte. Diese haben ein gutes Gespür für lokale Entwicklungen und sprechen – im übertragenen wie im wortwörtlichen Sinn – die gleiche Sprache wie unsere Kunden.»
Über die Forster Profilsysteme AG
1874 legte F.J. Forster mit der Eröffnung einer Kupferschmiede in Arbon den Grundstein für die Entstehung des Thurgauer Unternehmens. Heute produziert Forster Stahlprofile für Kunden aus aller Welt. Insgesamt beschäftigt das Traditionsunternehmen rund 350 Mitarbeitende, 130 davon in der Schweiz. Seit 2018 ist Forster Teil des belgischen Familienunternehmens Reynaers Aluminium.