Serto verbindet, was sicher fliessen muss
Pascale Ineichen

Serto stellt Rohrverbindungen für Rohrelemente, Ventile, Schläuche oder Zubehör her. Traditionelle Rohrverbindungen sind ineinandergesteckt. Im Gegensatz dazu besteht die Innovation von Serto darin, dass die Abdichtung vom Klemmring zur Verschraubung eine ebene Fläche aufweist. Somit kann ein radiales Verbindungsstück zwischen Leitungen einfach entfernt, gewartet und wieder eingesetzt werden, ohne dass Rohre demontiert und auseinandergetrennt werden müssen. Dies spart Platz, Zeit und Kosten.
Hidden Champion aus dem Thurgau
Mit dieser weltweit einzigartigen Lösung operiert das Unternehmen in einer Nische: «Wenn uns ein Kunde sagt, ich habe eine Maschine, eine Anlage oder einen Motor, durch die ich Flüssigkeit, Gas oder andere Medien absolut sicher und dicht durchleiten muss, entwickeln wir mit unserem Ingenieur-Team entsprechende Lösungen», erläutert Bernhard Fritsche, seit gut drei Monaten neuer CEO von Serto. Solche Systeme müssen oft hohe Anforderungen erfüllen, beispielsweise wenn in der Leistungselektronik für Chiphersteller, Data- oder Rechenzentren Kühlsysteme nötig sind. Abnehmer sind Kunden verschiedenster Branchen – so auch im Transport: In Zügen beispieslweise sind Serto-Produkte und -technologien in so vielfältigen Anwendungen wie Nasszellen, der Pneumatik, in Bremsleitungen, Schmier-, Dosier- oder Prozessleitungen sowie in Batteriekühlungen zu finden. Ebenso stattet Serto Schiffe aus, wo es besonders wichtig ist, dass die Materialien bei rauer See Korrosion und Ermüdung trotzen. Neben solch individualisierten High-End-Lösungen bietet die Serto Group mit ihren beiden Marken auch DIN-Standardverbindungen an. Alle Standardprodukte können von den Kunden einfach und schnell über den Webshop bestellt werden.

CEO Bernd Fritsche
Zunehmende Internationalisierung
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis 1923 zurück. Die radiale Rohrverbindung wurde 1952 entwickelt. Hauptinvestor des KMU ist die gemeinnützige Ernst Göhner Stiftung – EGS, welche langfristig in skalierbare Schweizer Unternehmen investiert und die Basis für die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens schafft. Ursprünglich fokussierte sich die Serto auf die DACH-Region, wobei die Schweiz und Deutschland auch heute noch die Hauptabsatzmärkte darstellen. Traditionell erfolgte die Kundenakquise über ein regionales Vertriebsteam. Über die Jahre ist Serto so gemeinsam mit den Kunden gewachsen. Mit aktuell 340 Mitarbeitenden bedient das Unternehmen weltweit 5000 Kunden und macht gut 80 Millionen Franken Umsatz. Serto verfügt über sieben Standorte und Vertriebsgesellschaften in Europa und in Asien und über Distributionspartner in weiteren 27 Ländern. Produziert wird in der Schweiz, in Tschechien und in Italien. Im vergangenen Jahr erfolgte zudem der Markteintritt in Indien. «Die Internationalisierung weiter voranzutreiben ist eines jener Ziele, welche ich mir bei Übernahme der Firmenleitung gesetzt habe», erläutert CEO Fritsche.
Zeitgemässer Firmenstandort Frauenfeld
2014 ist Serto in das neue Firmengebäude in Frauenfeld gezogen. Die individuellen Kundenlösungen werden ausschliesslich im Thurgau produziert. Dabei ist das Know-how der Mitarbeitenden in der Fertigung vor Ort entscheidend: Beispielsweise müssen die Rohre jeweils nach Kundenwunsch gebogen werden. Alle Teile werden einer Qualitätskontrolle unterzogen: So wird überprüft, ob der Durchfluss des Mediums und die Festigkeit konstant bleiben. In Zukunft wird die Serto weitere Automatisierungsprozesse evaluieren und KI für schnellere Prozesse nutzen. «Wir stecken mitten in der Veränderung der Digitalisierung und der neuen Prozesse», meint Fritsche. Für Serto ist das neue Firmengebäude auch ein Beitrag zur Nachhaltigkeit: Es entspricht den heutigen energetischen Anforderungen und verfügt über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Geheizt wird mit der Energie aus dem Grundwasser. Die Fahrzeugflotte ist elektrisch. Und auch mit der Optimierung von Produktions-Materialien (z.B. Vermeidung von PFAS) oder Lieferwegen bemüht sich das Unternehmen, den ökologischen Fussabdruck laufend zu reduzieren.
Respektvolle Unternehmenskultur
Auffallend bei Serto ist der freundliche Umgang unter den vielfach langjährigen Mitarbeitenden. Ein zentrales Element der Kultur sei der offene Umgang mit Fehlern: Fehler werden kommuniziert, damit gemeinsam Lösungen für bestehende Probleme entwickelt werden können. Verschiedene Massnahmen unterstützen die interne Kommunikation: So sind wichtige Informationen wie beispielsweise neue Kundenakquisen überall dort, wo für die Mitarbeitenden kein direkter Zugang zum Computer besteht, auf grossen Bildschirmen sichtbar. Es finden zudem regelmässig Town Hall Meetings statt, wobei sich die Frauenfelder Belegschaft vor Ort trifft und die Mitarbeitenden aus den anderen Ländern online zugeschaltet werden. «Mir ist es wichtig, dass wir transparent kommunizieren, Erfolge feiern und alle Mitarbeitenden sehen, was ihr Beitrag zum grossen Ganzen ist», betont Fritsche. Gefragt nach den Zukunftsplänen meint der CEO: «Ein Unternehmen der Grösse von Serto hat einen grossen Gestaltungsspielraum: Auf der bisherigen Erfolgsgeschichte wollen wir stabil aufbauen. Wir müssen uns aber auch noch besser den rasch ändernden Rahmenbedingungen anpassen, zusätzliche Fähigkeiten entwickeln und neue Märkte erschliessen.»

Rohre werden an der Maschine präzise gebogen.