Mit Kraft und Klarheit jetzt nach Bern
Jérôme Müggler

Kris, du bist bald ein halbes Jahr im Amt. Bist du in der Rolle als Präsidentin angekommen und welche Themen treiben die IHK aktuell um?
Danke, ich bin sehr gut angekommen. Als Vize-Präsidentin war ich bereits nahe am Kern unserer Kammer. Zudem habe ich einen regelmässigen Austausch mit der Geschäftsstelle. Eine sichere Energieversorgung, der Arbeitskräftemangel oder der Ausbau des 5G-Netzes stehen ganz oben auf der Agenda der IHK. Daneben setzen wir viele Ressourcen für den Start des Digital & Innovation Campus Thurgau in Kreuzlingen ein, der im kommenden Jahr die Türen öffnen wird. Für dich sind Wirtschaft und Gesellschaft zwei Hälften eines Ganzen.
Was meinst du damit?
Wirtschaft ist nicht Selbstzweck, sondern der Motor der Gesellschaft. Sie schafft unsere Lebensgrundlagen und sorgt für Lebensqualität. Die Löhne, Investitionen und Steuermittel, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, werden in der Wirtschaft erwirtschaftet. Alles, was wir zum Leben brauchen – Nahrungsmittel, Medikamente, Waren, Dienstleistungen –, entsteht durch das Wirtschaften in der Gesellschaft. Ob als Konsument, Mitarbeiterin, Investor, Arbeitgeberin, Steuerzahler – wir alle sind Wirtschaft. Wirtschaftspolitische Themen sind also nicht von unserem Alltag zu trennen – sie sind Alltag. Wir als IHK möchten dazu beitragen, in der Bevölkerung wieder ein besseres Verständnis für diese Verbindung zu schaffen.
Welche Themen bearbeitet die IHK aktuell im Thurgau?
Den Digital & Innovation Campus habe ich bereits erwähnt. Ein Dauerbrenner ist das stetige Wachstum der kantonalen Verwaltung. Der Staat darf nicht einer der grössten Arbeitgeber werden, die Privatwirtschaft konkurrenzieren und Aufgaben übernehmen, die nicht zu seinem Kernauftrag gehören. Wir wirken bei der laufenden Korridorstudie zur BTS mit, die den Verkehr besser kanalisieren und Dorfzentren sicherer machen wird. Zudem sollten wir die Arealentwicklung von Wil West wieder auf Kurs bringen.
Am 22. Oktober wählen wir ein neues Parlament. Du kandidierst für den National- wie auch für den Ständerat – was hat dich dazu bewogen?
Freiheit und Verantwortung gehören zusammen. Unser wunderbares Land und seine Demokratie gründen auf dem Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger – im gesellschaftlichen Alltag, an ihrem Arbeitsplatz und in der Politik. Ich nehme meine Verantwortung wahr und biete unseren Bürgerinnen und Bürgern für den Ständerat und den Nationalrat eine echte Wahl. Nach zwölf Jahren im Grossen Rat will ich nun meine Erfahrung und mein Wissen in Bern dafür einsetzen, die Interessen der Thurgauerinnen und Thurgauer zu vertreten.
Welche politischen Themen haben in Bern eine hohe Dringlichkeit?
Leider bleibt viel zu viel in Bern liegen: Die bezahlbare Sicherung unserer Energieversorgung ohne Technologieverbote, die nachhaltige Finanzierung der Altersvorsorge, der Ausbau relevanter Verkehrsinfrastruktur, der Erhalt ausgezeichneten Bildungsangeboten oder die Weiterentwicklung der bilateralen Verträge mit der EU sind nur eine Auswahl. Es braucht wieder mehr Tatendrang und zukunftsgerichtete, mehrheitsfähige Lösungen. Viel zu oft versucht Bern, Dinge mit «Pflästerli » zusammenzuhalten, statt neue Ansätze zu prüfen.
Wo liegen deine persönlichen Prioritäten?
Ich mache eine Politik, die den Menschen wirklich etwas bringt: Freiheit durch Sicherheit in den Lebensgrundlagen und der Lebensqualität. Deswegen sind mir eine erstklassige Bildung und die Altersvorsorge wichtig. Weiter liegt mir viel daran, dass wir den Menschen sichere Jobs bieten und der nächsten Generation eine intakte Umwelt hinterlassen können. Für beides braucht es die Wirtschaft: Gesunde Unternehmen bieten spannende Arbeit und sind mit ihren innovativen Entwicklungen ein Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit, die aber bezahlbar ist. Nicht zuletzt setze ich mich für gesunde Staatsfinanzen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern ein.
Gibt es spezifische Thurgauer Themen, welche du im Bern voranbringen möchtest?
Im Thurgau sind wir abhängig von den Rahmenbedingungen, die im Parlament in Bern entworfen werden. Hierbei müssen die Anliegen der Thurgauer Bevölkerung und Unternehmen gehört und berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise Standortfragen für nationale Bildungsangebote, die ewige Baustelle BTS oder unsere Haltung zur Entwicklung der Schweiz – denn diese wird auch im Thurgau gemacht und nicht nur in ein paar grossen Zentren oder gar in der Verwaltung.
Ob als Konsument, Mitarbeiterin, Investor, Arbeitgeberin, Steuerzahler – wir alle sind Wirtschaft.
Der Thurgauer Wahlkampf ist so lebendig wie seit langem nicht mehr. Was hebt dich von den anderen Kandidatinnen und Kandidaten ab?
Ich bin überzeugt davon, dass ich mit Kraft und Klarheit die Fragen der Zeit adressieren und einen Beitrag zu deren Lösung beisteuern kann. Im Thurgauer Parlament habe ich es wiederholt geschafft, tragfähige Mehrheiten zu finden. Und das werde ich auch als eidgenössische Politikerin tun. Ich verbinde Wirtschaft, Gesellschaft und Politik – weil ich alle drei Bereiche aus der Praxis bestens kenne, ich theoretisiere nicht.
IHK-Präsidentin, Unternehmerin und einen Sitz im eidgenössischen Parlament – passt das alles unter einen Hut?
Ja, das passt sehr gut unter einen Hut. Es ist gerade die Kombination aus IHK-Präsidentin, Unternehmerin und Politikern, ergänzt um meine Engagements bei Schulen, sozialen Institutionen und als Familienfrau, die mich bei den Themen der Zeit kompetent macht. Ich bin eine grosse Verfechterin unseres Milizsystems, worin Bürgerinnen und Bürger ihren Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen. Wir brauchen Menschen in der Politik, die im Alltag einer beruflichen Tätigkeit nachgehen und mit den Realitäten des Lebens konfrontiert sind.