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Erdölpreise und Unsicherheiten dämpfen Aussichten in der Ostschweiz

Nachdem die Ostschweizer Industrie mit mehr Zuversicht ins neue Jahr gestartet war, haben sich die Aussichten mit dem Iran-Krieg und den gestiegenen Energiepreisen wieder eingetrübt. Die unmittelbaren Auswirkungen sind zwar stark produktund unternehmensspezifisch. Die globale Unsicherheit und die schwächere Weltwirtschaft belasten aber weite Teile der Industrie. Derweil entwickelt sich die Binnenwirtschaft weiter solide.
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Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für die exportorientierte Ostschweizer Industrie sind schon seit längerem anspruchsvoll. Die Eskalation im Nahen Osten und namentlich die Blockade der Strasse von Hormus stellen die Unternehmen vor zusätzliche Herausforderungen: Sie erhöhen die Unsicherheit, verteuern gewisse Vorleistungen und verschärfen Risiken entlang der Lieferketten. «Wie schon bei den US-Zöllen ergibt sich die grösste Belastung für Ostschweizer Unternehmen indirekt aus dem langsameren Wachstum der Weltwirtschaft», erklärt Céline Keller, Strategieanalystin bei der St.Galler Kantonalbank. Zahlreiche europäische Staaten und insbesondere Deutschland – der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt für Ostschweizer Industriefirmen – gehören in Bezug auf hohe Energiepreise zu den besonders exponierten Ländern. Die deutsche Wirtschaft hat zu Jahresbeginn zaghafte Signale eines Aufschwungs gezeigt. Dazu Céline Keller: «Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland droht abgewürgt zu werden, bevor er richtig Fahrt aufgenommen hat. Dies trifft auch Zulieferfirmen aus der Ostschweiz.» Erschwerend kommt hinzu, dass im aktuell unsicheren wirtschaftlichen Umfeld vermehrt Investitionen zurückgestellt werden. Dies trifft Hersteller von Investitionsgütern, die unter anderem in der Ostschweizer Tech-Industrie prominent vertreten sind.

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Direkte Auswirkungen sind stark branchen- und unternehmensspezifisch

Während diese indirekten Effekte weite Teile der Ostschweizer Exportindustrie treffen, sind die unmittelbaren Auswirkungen je nach Branche und Unternehmen unterschiedlich. Potenziell stark betroffen sind energieintensive Firmen, z. B. aus der chemischen Industrie oder der Metallerzeugung und -bearbeitung. Mit einem Anteil von rund 2% an der Gesamtbeschäftigung machen diese im internationalen Vergleich zwar einen kleinen Anteil aus. Je nach Energiequelle sind diese Firmen aber mit erheblichen Mehrkosten konfrontiert. Ebenfalls branchen- und unternehmensspezifisch sind die Auswirkungen gestörter Lieferketten. Themen wie längere Lieferfristen und die Verfügbarkeit von Vorprodukten rücken gemäss aktueller Umfrage aber für Firmen vieler Branchen wieder stärker in den  Fokus. Ostschweizer Unternehmen rechnen in der Folge vermehrt mit steigenden Einkaufs- und Verkaufspreisen.

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Hoffnungen auf Aufschwung haben sich bislang nicht bestätigt

Das schwierige Umfeld hinterlässt Spuren. Die Geschäftslage wird von den Ostschweizer Industrieunternehmen derzeit nur noch als knapp befriedigend eingeschätzt. Jeder zweite Betrieb beurteilt seinen Auftragsbestand als zu klein. Besonders die Tech-Industrie bleibt unter Druck. «Der zu Jahresbeginn sichtbare Aufwärtstrend bei den Geschäftserwartungen hat sich wieder deutlich abgeflacht», erläutert Jan Riss, Chefökonom der IHK St.Gallen-Appenzell. Auch die Erwartungen bezüglich Exportaufträgen und Produktion fallen weniger positiv aus. Die Abwärtsrisiken sind gross. Je länger die Handelsstörungen und damit verbundenen Kostensteigerungen anhalten, desto grösser die negativen Folgen. Aktuell profitieren Teile der Ostschweizer Industrie und des exportnahen Grosshandels von Vorholeffekten, da Kunden aus Sorge vor möglichen Lieferengpässen ihre Lagerbestände erhöhen. Neben den höheren Energiepreisen, die sich unter anderem in gestiegenen Produktions- und Transportkosten zeigen, belasten der starke Franken und die US-Zölle das Umfeld weiterhin. «Die US-Handelspolitik ist zwar mit dem Krieg im Iran von den Titelseiten verschwunden, bleibt aber für die Ostschweizer Exportwirtschaft eine Belastung», so IHK-Chefökonom Jan Riss. Zwar sind die US-Zölle gegenüber ihren Höchstständen vom Herbst deutlich gesunken. Die handelspolitischen Unsicherheiten bleiben aber erhöht. Die Schweiz hat noch kein formales Abkommen mit den USA abgeschlossen. Zudem drohten die USA zuletzt mit höheren Zöllen auf Fahrzeuge aus der EU. Diese würden sich indirekt auch negativ auf Zulieferfirmen aus der Ostschweiz auswirken.

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Binnenwirtschaft bleibt zentrale Stütze

Während die Lage für viele exportorientierte Branchen anspruchsvoll bleibt, wird die Ostschweizer Wirtschaft weiterhin von der soliden Binnenwirtschaft gestützt. Die Dynamik hat in den letzten Monaten aber auch dort etwas an Breite verloren. So ist beispielsweise im Detailhandel trotz stabilem Arbeitsmarkt und gestiegenen Reallöhnen eine gewisse Zurückhaltung zu beobachten. Hier dämpft die wirtschaftliche Unsicherheit das Aufwärtspotenzial. Auch im Gastgewerbe haben sich die aktuelle Lage sowie die Erwartungen im Hinblick auf die Sommersaison etwas eingetrübt. Dies dürfte teilweise auf ausländische Feriengäste zurückzuführen sein, die sich aufgrund der globalen Unsicherheit mit Buchungen zurückhalten. Die Situation bietet für das Ostschweizer Gastgewerbe aber auch Chancen, sollte beispielsweise die einheimische Bevölkerung ihre Sommerferien vermehrt in der Schweiz verbringen. Weiterhin positiv bleibt die Stimmung im Baugewerbe: Bautätigkeit, Auftragsbestand und Auftragsreichweite liegen alle auf hohem Niveau, getragen insbesondere vom Wohnungsbau. Damit spricht einiges dafür, dass die positive Lage in der Baubranche noch einige Zeit anhalten wird.