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Das Unternehmertum an der Schule entdecken

Die Industrie- und Handelskammer organisiert die bekannten Wirtschaftswochen an Thurgauer Kantonsschulen, an der Pädagogischen Maturitätsschule sowie für SBW Haus des Lernens. Jedes Jahr können so über 100 Thurgauer Schülerinnen und Schüler Unternehmerluft schnuppern. Petronella Vervoort, Direktorin von wirtschaftsbildung.ch, berichtet, was den Reiz der Projektwochen ausmacht.
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Pascale Ineichen stellt die Rolle und das Engagement der IHK in der Wirtschaftswoche vor.

Was sind die Wirtschaftswochen?
Petronella Vervoort: In den Wirtschaftswochen steht eine webbasierte Unternehmenssimulation im Mittelpunkt. Die Jugendlichen übernehmen in Gruppen die Geschäftsleitung eines Produktionsbetriebs und stehen in Konkurrenz zueinander. Sie treffen realitätsnahe strategische und operative Entscheidungen und navigieren ihren Betrieb durch mehrere Geschäftsjahre in einem dynamischen Umfeld. Dabei erleben sie typische Zielkonflikte und moralische Dilemmata im Zusammenhang mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Fragen. Begleitet werden die Jugendlichen von Führungspersonen aus der Wirtschaft, die als Volunteers in Einsatz kommen und vorgängig zur Spielleitung vorbereitet wurden.

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Petronella Vervoort, Direktorin von wirtschaftsbildung.ch

Welche Chancen bieten sich den Schüler/innen in den Wirtschaftswochen?
Das Angebot richtet sich vorwiegend an Schüler/innen der Kantonsschulen. Sie kommen häufig zum ersten Mal mit der Wirtschaft in direktem Kontakt. Gerade für Jugendliche, die sich selten mit betriebswirtschaftlichen Themen auseinandersetzen, ist diese Erfahrung wertvoll und die Lerneffekte aus der Unternehmenssimulation besonders hoch.

Was sagen die Schüler/innen zu den Wirtschaftswochen?
Eine standardisierte Befragung mit hoher Rücklaufquote ergibt ein aussagekräftiges Ergebnis. Wir werten jeweils nach gut 2500 Rückmeldungen aus. Die Resultate sind ziemlich konstant. Rund 98% der Befragten erachten die Wirtschaftswochen als wertvoll. Rund 80% geben an, dass ihr Interesse für wirtschaftliche Themen «sehr» oder «ein wenig» gestiegen ist. Knapp 5% fühlen sich nicht angesprochen. Manchmal erhalten wir die Rückmeldung, dass die Erlebnisse in der Wirtschaftswoche Auslöser für die Studienwahl oder eine Unternehmensgründung waren.

Was sind die Key Learnings für die Schüler/innen?
Aufgrund der erlebten Zielkonflikte erkennen die Schüler/innen die unternehmerischen Herausforderungen und können wirtschaftspolitische Fragestellungen besser verorten. Gemäss Selbsteinschätzungen der Schüler:innen konnten wichtige Future Skills gestärkt werden. Das Analysieren, Entscheiden, Präsentieren sowie die Arbeit im Team wurden besonders gefördert.

Welche Benefits haben die Wirtschaftswochen für die beteiligten Spielleitenden und Gastunternehmen?
Der Kontakt mit der Jugend im Rahmen der Wirtschaftswoche ermöglicht einen wertvollen Austausch, den man wahrscheinlich sonst nicht auf diese Art gestalten kann. Sowohl die Spielleitung wie auch die beteiligten Unternehmen berichten positiv von den anregenden Begegnungen.

Wie können die Wirtschaftswochen unterstützt werden?
Unternehmen können versierte Mitarbeitende als Spielleitungen delegieren oder eine Betriebsbesichtigung ermöglichen. Eine Firma kann sich auch als Host für eine Wirtschaftswoche zur Verfügung stellen. Zudem kann ein Patronat für eine Klasse, eine Schule oder sogar für einen Jahrgang übernommen werden.

Warum begeistern dich die Wirtschaftswochen persönlich?
Während dieser Woche machen die Jugendlichen einen immensen Entwicklungsschritt, sowohl in fachlicher, sozialer wie auch in persönlicher Hinsicht. Zu Beginn sind sie noch unsicher und als Team noch unbeholfen. Ab dem zweiten Tag steigt die Motivation und zeigt sich die Qualität der Teamarbeit. Am Schluss der Woche präsentieren die Jugendlichen gekonnt die Ergebnisse ihres Unternehmens, sehr überzeugend und fundiert.

Was ist deine liebste / lustigste Erinnerung aus einer Wirtschaftswoche?
Wenn die Jugendlichen in ihren Rollen so richtig aufgehen und sich beispielsweise die Finanzchefin, der COO und die HR-Chefin über anstehende Entlassungen streiten oder die CEO mit dem CFO und der Marketing-Leiterin die Nachhaltigkeitsstrategie durchkalkulieren, kann das Gespräch schon mal zum Argumentations- Battle werden und in eine richtige Debatte münden.